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Museumstipp Juli 2010

Anklam


Otto-Lilienthal-Museum


Ein kulturhistorischer Blick auf den Traum vom Fliegen


Von Dr. Amrei Stupperich

Abb. 1: Das Lilienthal-Museum mit seiner großzügigen Hallenerweiterung und seinem Außengelände auf dem Flughafen hat in seiner jungen Geschichte bereits einen renommierten Platz in der Museumslandschaft erobert.
(Alle Abbildungen © Otto-Lilienthal-Museum, Anklam)


Als Otto Lilienthal (1848-1896) im August 1896 mit seinem Segelapparat aus 15 Metern Höhe abstürzte und sich das Rückgrat brach, hatte Deutschland einen bedeutenden Ingenieur und Erfinder verloren. Seit 1891 waren ihm bereits mehr als 1000 gesteuerte Gleitflüge gelungen. Zu seinen geplanten Weiterentwicklungen hatte auch der Einbau eines Benzinmotors in einen Gleiter gehört. Erst nach der Jahrhundertwende startete in den USA der erste erfolgreiche Motorflug.


Abb. 2: Blick in die Ausstellungshalle mit Lilienthals Flugmodellen - originalgetreu rekonstruiert oder nachgebaut.


In den 1970er Jahren hatte man das Anklamer Heimatmuseum um eine eigenständige Lilienthal-Ausstellung ergänzt. 1991 wurde in dem Gebäude dann das Lilienthal-Museum eröffnet, nachdem die regionalgeschichtliche Sammlung in das alte rekonstruierte Stadttor (13. Jh.), das Wahrzeichen der Stadt, umgezogen war (Museum im Stadttor). Im Jahr der Eröffnung feierte Anklam das Jubiläum "100 Jahre Menschenflug", und gab sich zu Ehren des berühmten Flugpioniers, der hier geboren wurde, den Namen "Lilienthalstadt". Die neue Ausstellungsfläche erlaubte noch keine Präsentation der von Lilienthal entwickelten Flugapparate in Originalgröße. Dies wurde erst nach Fertigstellung eines Hallenanbaus (1996) möglich. Inzwischen hat das Museum mehrere Preise erhalten, darunter 1999 die Auszeichnung als "European Museum of the Year Award - Special Commendation" und 2001 als "Kultureller Gedächtnisort mit besonderer nationaler Bedeutung".

Abb. 3: Aus der Geschichte der Fluggeräte: ein Vakuum-Luftschiff des Francesco Lana de Terzi aus dem Jahr 1670.


Das Museum präsentiert zunächst Leben und Werk Lilienthals und stellt die Geschichte des Menschenflugs dar. Hauptattraktion sind die Rekonstruktionen aller Flugapparate, die Lilienthal entwickelt hat. Aber auch andere Entwicklungsstränge der Luftfahrtgeschichte sind mit anschaulichen Modellen vertreten. Sogar die Fesseldrachengeschichte wird verfolgt und durch einen Drachen für bemannte Aufstiege sichtbar gemacht. Das Museum erfährt aber noch andere hochinteressante Erweiterungen. Lilienthal betätigte sich auch als Unternehmer, konstruierte mit seinem Bruder Bergbau- und Dampfmaschinen, entwarf Spielzeuge und verfolgte soziale und kulturelle Projekte. Ergänzt wird die Schau durch eine wissenschaftliche Bibliothek sowie ein Lilienthal-Archiv (für den "Humanisten, Techniker und Flugpionier") und ein Bild-Archiv. Kataloge, Bilder und Texte zur Luftfahrtgeschichte "zwischen Steinzeit und Flexkite" können zum großen Teil auf der Homepage abgerufen werden.


Abb. 4: Die Kleindampfmaschine des Flugpioniers wurde in der Maschinen-Fabrik O. Lilienthal (Berlin) im Jahr 1889 hergestellt (Größe in mm: Länge 1220; Breite 660; Höhe 700). Diese Entwicklung hatte Lilienthal für den Einsatz im Kleingwerbe vorgesehen, damit ein Handwerker gegen großindustrielle Konkurrenz eine Chance bekam.

Hinzu kommt der museumspädagogische Natur- und Erlebnispark "Aeronauticon Otto Lilienthal" auf dem Flugplatz Anklam. Hier werden mit altersgerechten Programmen zahlreiche Anknüpfungspunkte - auch fächerübrgreifend - für den Unterricht angeboten. Dazu gehören schüleraktivierende Einheiten wie Heißluftballon bauen und andere Experimente. In der restaurierten Nikolaikirche entsteht ein weiterer Höhepunkt des Museums: das Ikarion, das sich mit dem uralten Symbolgehalt des Menschenflugs befassen soll. "Lilienthals Vision des durch das Flugzeug verwirklichten dauerhaften Friedens und die Zerstörung seiner Taufkirche im Zweiten Weltkrieg prädestinieren den historischen Ort für die Darstellung des anthropologischen Themas", heißt es auf der Internetseite des Museums. Die Ausstellung "Ikarus" wird eine Hängegleitersammlung, Selbsterfahrungsexperimente und im Dachraum einen Hochseilgarten umfassen. Und schließlich: Für interessierte Schüler/innen bietet der Museumsladen Metallbausätze für Lilienthal-Modelle an.


Abb. 5: Das Museum kann sich glücklich schätzen: Mit dem Lehr- und Spielpark Aeronauticon, in dem es um die Lufthülle der Erde und ihre Eroberung durch den Menschen geht, steht ein museumspädagogisches Instrument zur Verfügung, das viele Möglichkeiten für Schüleraktivitäten eröffnet.


Adresse
Otto-Lilienthal-Museum
Ellbogenstraße 1
17389 Anklam
Tel.: 03971-245500
Fax: 03971- 245580

E-Mail: info@lilienthal-museum.de
Internet: www.lilienthal-museum.de

Öffnungszeiten

Von Juni bis September: täglich: 10 - 17 Uhr
Von November bis April: Mi - Fr: 11 - 15.30 Uhr; So: 13 - 15.30 Uhr
In der übrigen Zeit und während der Schulferien: Di - Fr: 10 - 17 Uhr; Sa/ So: 13 - 17 Uhr (im Winter nur bis 16 Uhr)
Erweiterte Öffnungszeiten auf Anfrage
Geschlossen: 24. und 31. 12.

Angebote

Die museumspädagogischen Angebote beziehen sich auf physikalische ebenso wie auf historische Aspekte des Fliegens und finden außer im Museum selbst im Aeronauticon (auf dem Anklamer Flugplatz), im Museum im Steintor und in der gotischen Nikolaikirche statt.

Vorschläge für den Museumsbesuch:
  • Otto Lilienthal - fliegen wie ein Vogel. Experimente, Filmvorführung, Schüler-Arbeitsblätter (ab 10 J.).
  • Drachen, Ballone, Gyrocopter - viele Möglichkeiten in die Luft zu gehen (ab 10 J., Aeronauticon).
  • Vom Drachen zum Flugzeug - die Physik vom Fliegen. Geschichte des Menschenflugs mit Experimenten, Filmvorführung und Schüler-Arbeitsblättern (ab 14 J.)

Für ältere Schüler plant das Museum Mehrtagesprojekte zur Geschichte und Gegenwart des Flugsports, außerdem ein deutsch-polnisches 2-Tagesprogramm zusammen mit dem Technikmuseum Szczecin/Stettin.

Medientipps:

Schmalfeldt, S.: Rund ums Fliegen. Das Thema Fliegen kindgerecht von allen Seiten beleuchtet. Illustrationen von Christoph Heuer. Mit zahlreichen Kopiervorlagen. Braunschweig 2006 (ab Kl. 3)

Lukasch, B./ Runge, M.: Erfinderleben. Die Brüder Otto und Gustav Lilienthal. Berlin 2007

Otto Lilienthal - fliegen wie ein Vogel. Digitaler Museumskatalog und multimedialer Lilienthal-Führer (CD-ROM). Anklam ²2005

Lukasch, B./ Seifert, K.-D./ Weiß, R.: Der Dampfmotor des Flugpioniers - leichte Wanddampfmaschine Nr. 137, 1889, Dampfkessel- und Maschinenfabrik Otto Lilienthal, Berlin, Köpenicker Straße 110/113. Anklam 2005


Ergänzende Links

www.ikareum.de:
Projektbeschreibung für eine Hängegleiter-Ausstellung zur Erinnerung an den Flugpionier Otto Lilienthal. Die Ausstellung soll dauerhaft in der am Ende des Zweiten Weltkriegs zerstörten Nikolaikirche in Anklam eröffnet werden, wenn diese restauriert ist.

www.lilienthal-museum.de/olma/aer.htm:
Das Aeronauticon Otto Lilienthal ist ein Museumspark am Anklamer Flugplatz, der Technik zum Anfassen und Ausprobieren präsentiert.

www.museum-im-steintor.de/museum.html:
Das Museum im Steintor in Anklam ist ein Regionalmuseum im ältesten Gebäude der Hansestadt, das mit seinen 32m Höhe Wahrzeichen der Stadt ist.

www.anklam.de:
Die alte Hansestadt Anklam an der Peene, "Stadt des Flugpioniers Otto Lilienthal" vor der Insel Usedom unweit der polnischen Grenze, wurde im Zweiten Weltkrieg zu 80 % zerstört. Nach 1990 wurde das historische Stadtzentrum saniert.