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Schauplätze im Kaiserreich
Wo wird das für eine historische Gesellschaft Charakteristische sichtbar? Auf ihren „Schauplätzen“ zeigt sich menschliches Handeln in einem begrenzten Raum anschaulich wie auch die Faktoren, von denen es bestimmt wird. Die einzelnen Beiträge dieser PRAXIS GESCHICHTE Ausgabe laden dazu ein, Schauplätze des Deutschen Kaiserreichs zu betreten, auf den... mehr
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Hans H. Pöschko
Schauplätze der Geschichte
„Schauplatz“ ist ein geläufiger Begriff, den wir eher anwenden, wenn wir unspezifische Bezeichnungen brauchen. In der Regel verwenden wir ihn in Wortverbindungen wie in „der Schauplatz der Handlung“, „des Verbrechens“, „des Kriegsgeschehens“ oder in „Kriegsschauplatz“ und „Schauplatz der Weltgeschichte“. Wenn er denn hauptsächlich dazu benutzt wird, ein ungefähres Bild anzusprechen, inwiefern ist dieser Begriff dann überhaupt geeignet, historische Phänomene zu erfassen, und was kann er hierbei leisten?
Karl-Heinz Köhler
Schule um 1900 – Schauplatz der Geschichte
Um 1900 gewann eine neue Sicht der Kindheit und Jugend an Boden. Ihrer Besonderheit und ihrem Eigenrecht sollte nun stärker Rechnung getragen werden. Dem standen Traditionen gegenüber, die die Institutionen im Umgang mit Kindern und Jugendlichen ausgebildet hatten. Der Schauplatz, auf dem der Zusammenstoß dieser Kräfte besonders prägnant in Erscheinung trat, war die Schule. Die folgenden Informationen und Materialien sind für den Unterricht ab Klasse 9 gedacht. Dabei geht es zugleich um Grundfragen, die auch für heutige Schüler relevant sind.
André Krowke
Kaserne und Exerzierplatz
Mannigfaltige Begegnungen in der „Schule der Nation“
Nach dem Willen Kaiser Wilhelms II. hatte die Armee die „Schule der Nation“ zu sein.
Ausbildungsziele wie Patriotismus und unbedingte Regimetreue sollten die Haltung des Staatsbürgers in jeder Hinsicht prägen. Vorgelebt werden sollte
dies vom deutschen Offizierskorps, dem „ersten Stand im Staate.“ Dieser Unterrichtsvorschlag
dokumentiert die Ambivalenzen, die sich aus der Begegnungvon Obrigkeit und Untertanen innerhalb der Kasernenmauern ergaben. Die innere
Zerrissenheit der Rekruten zwischen „Lust und Frust“ ihresWehrdienstes steht dabei genauso
im Blickpunkt wie die Vorbildfunktion des „ersten Standes“ zwischen Anspruch und Wirklichkeit.
Stephan Schmidt
Ein Volk auf der Suche nach geistiger Nahrung
Die Öffentlichen Büchereien
In der Zeit um 1900 spiegeln die Öffentlichen Büchereien eine Veränderung der Lebensgewohnheiten mit unüberschaubaren
Folgen: Das Lesen von Büchern war Bestandteil des Alltags geworden.
Eva-Maria und Wilhelm Lienert
Stets gehorsam und ehrerbietig
Dienstmädchen und Stellenvermittlung – ein Rollenspiel
In der Stellenvermittlung wird die reale Situation des „Arbeitsmarktes“ lebendig. Hier treffen die unterschiedlichsten Erwartungen, Hoffnungen, Ansprüche aufeinander. Die „Stellenvermittlung
für Dienstboten“ beleuchtet beispielhaft Hierarchie und Rollenverteilung. In diesem Unterrichtsvorschlag steht das Dienstmädchen
im Mittelpunkt: Was erwartete ein junges, meist vom Lande kommendes Mädchen, das ihren Weg in die Stadt in der Dienstbotenvermittlung begann?
Uwe Spiekermann
„Hereinspaziert in die Welt Ihrer Träume!“
Das Warenhaus als Ort des Konsums
Das Warenhaus der Jahrhundertwende schuf einen neuen Raum für Einkauf und Absatz. Grenzenloser
Konsum schien möglich. Die Faszination, die von den Warenhauspalästen dieser Zeit mit ihren berstenden Verkaufstischen und prächtig dekorierten Waren ausging, bietet einen guten Anknüpfungspunkt, um Unterschiede und Gemeinsamkeiten des damaligen und heutigen
Konsums sinnfällig zu machen. Zugleich kann das
Thema helfen, der im Unterricht meist unter sozialen und wirtschaftlichen Aspekten behandelten
Industrialisierung neue Gesichtspunkte abzugewinnen
Peter G. Bräunlein
Hagenbecks Tierpark
Ein Schauplatz mit Tieren und Menschen aus fernen Ländern
Seit seiner Eröffnung 1907 präsentierte Hagenbecks Tierpark in Stellingen bei Hamburg bis
in die zwanziger Jahre nicht nur Tiere, sondern auch Menschen aus fernen Ländern. Demonstriert
wurde nicht nur die naturwissenschaftliche
Erfassung der Tier- und Menschenwelt, sondern zugleich auch die Überlegenheit der modernen
Zivilisation gegenüber den kolonisierten
„Naturvölkern“, die mit dem naturwissenschaftlichtechnischen Vorsprung begründet wurde. Eine Betrachtung dieses Schauplatzes zeigt, in welchem Maße das naturwissenschaftliche Interesse alle Bevölkerungskreise erfaßt hatte.
Elmar Wagener
„A. Borsig’s Eisengießerei und Maschinenbau-Anstalt“
Schauplatz Fabrikgelände
„Denn auch die Geschichte dieser Fabrik ist ein Stück preußischer Geschichte, lehrreicher als manch dicker Foliant, den gelehrte Professoren
schreiben, lehrreicher als die Geschichte von manchen Kriegen, Notenwechseln, Mobilmachungen
und Staatsumwälzungen.“In der sich entwickelnden Großindustrie ist der Fabrikherr König und Produktionsjubiläen werden zu sakralen Akten.
Waldemar Grosch
„Een Dreier, det Schäfeken“
Verklärungsglanz und soziale Realität auf dem Weihnachtsmarkt
Unser Bild vom Weihnachtsmarkt ist geprägt von
Vorstellungen, die aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts stammen. Es ist ein Bild, das einen festenBestand an pittoresken und sentimentalen Elementen enthält: alles ist winterlich, festlich und harmonisch.Weihnachtsmärkte gehören traditionell zu den stimmungsvollsten Orten der Vorweihnachtszeit. Ihr Glanz verdeckt aber den Blick auf die Lage der Produzenten und Verkäufer, die zur Zeit der Jahrhundertwende den Gegensatz zwischen Arm und Reich deutlich erkennbar werden läßt.
Günter Scholz
Auf dem Hauptbahnhof
Ein Schauplatz des Lebens – in Vergangenheit und Gegenwart
Die Hauptbahnhöfe und ihre Vorplätze wurden als Visitenkarte der Großstädte betrachtet und entsprechend gestaltet. Aber zu dieser Lichtseite gehörte immer auch eine Schattenseite. Vielleicht konnte man nirgendwo anders die beiden Seiten
einer Epoche so nahe beieinander sehen wie hier.
Im Spiegel der Medien
Literatur- und Filmrezensionen
# Literatur- und Filmrezensionen zum Thema, Neuerscheinungen # Ausstellungen, Projekte
Thilo Castner
Auf Spurensuche
Mietshäuser und -wohnungen in Nürnberg um 1900
Mit der Industrialisierung in Deutschland wuchs die
Bevölkerungszahl in den Städten gewaltig an. Der vorhandene Wohnraum erwies sich für diese Entwicklung als völlig unzureichend. Um die Wohnungsnot in den Griff zu bekommen, mußte der Bau von Mietshäusern vorangetrieben werden. Vor allem in den Großstädten wurde das Mietshaus,
vielfach als „Mietskaserne“ empfunden, zur wichtigsten Unterkunft.Glanz und Elend der Mietshäuser – wichtigste Wohnform infolge der Industrialisierung – zwischen bürgerlicher Distinguiertheit und Massenunterkunft.
Martin Mattheis
Das hat Geschichte gemacht
Fachschule oder Hochschule?
Die Technischen Hochschulen auf dem Weg zur wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Anerkennung
In dem jahrzehntelang schwelenden Streit um die Gleichwertigkeit der Abschlüsse von Technischen Hochschulen und Universitäten standen sich zwei Kräfte gegenüber, die das Bild der Epoche prägten:
das an den Universitäten orientierte humanistische Bildungsideal und die technischen Wissenschaften,
die als Garanten des Fortschritts galten. Durch einen Erlaß beendete Wilhelm II. als König von
Preußen den Streit zugunsten einer allgemeinen Anerkennung technischer Bildung.
Werner Mai
Geschichte vor Ort
Die Zechensiedlung als Modell industriellen Wohnens
Reihen trister Mietskasernen, gebaut für die Arbeiter und ihre Familien, prägten in der
frühindustriellen Phase das Bild in den Ballungsgebieten. Das Land zwischen Ruhr und
Lippe, bis dahin vorwiegend ländlich strukturiert, wurde aufgrund seiner reichen Kohlevorkommen
Schauplatz einer gewaltigen wirtschaftlichen
und sozialen Umgestaltung hin zur Industrielandschaft. In ihrer Entscheidung für
einen Siedlungsbau nach den Reformvorstellungen der Gartenstadtbewegung entwickelten die Bergwerks- und Hüttenvereine des Ruhrreviers dann Konzepte, mit denen sie für unser Jahrhundert neue Standards menschenwürdigen
Wohnens setzten. Sozialpolitik der Ruhrindustrie im Geist der Bismarckschen Sozialgesetze am Beispiel des Siedlungsbaus in Dortmund.