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INHALT

Ausgabe April
Heft 04/2005
Leider vergriffen!
Völker wandern
Wanderungen von Menschengruppen, Rechtsgemeinschaften oder ganzen Ethnien aus klimatischen, ökonomischen, politischen oder kriegsbedingten Gründen haben die Geschichte immer wieder bestimmt. Die Völkerwanderungszeit zwischen Antike und Mittelalter ist dabei eine Migrationsepoche neben anderen. Ihre Betrachtung schafft die Basis für ein Verständnis ... mehr
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Michael Schmauder
Die Völkerwanderung
Umwandlung der römischen Welt
Als Völkerwanderungszeit wird die Epoche zwischen der Antike und dem frühen Mittelalter bezeichnet. Sie war durch enorme Völkerbewegungen gekennzeichnet. Ziel der Völker war sicherer Lebensraum mit ausreichender Versorgung. Dies erklärt den unbedingten Wunsch, in den Grenzen des Römischen Reiches Aufnahme zu finden. Innerlich geschwächt, kam es zu verschiedenen barbarischen Reichsgründungen auf römischem Gebiet. Das Herrschaftsgefüge der Völkerwanderungszeit umfasste zahlreiche römische Elemente, hatte aber zugleich den Charakter einer kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Nachfolgeordnung.
Ulrich Baumgärtner
Völkerwanderung – dynamisch
Schülerinnen und Schüler erarbeiten sich eine Geschichtskarte
„In historischen Atlanten werden die Wanderwege der Goten, Vandalen oder Langobarden mit bunten Pfeilen markiert, ein verwirrendes Geflecht von Zügen quer durch ganz Europa.“ Diese Beobachtung des Historikers Walter Pohl benennt ein Lernhindernis bei der Thematisierung der so genannten Völkerwanderung in der Schule. Der Unterrichtsvorschlag versucht das unübersichtliche kartografische Gesamtbild durchschaubar zu machen und das abgebildete Geschehen wieder zu dynamisieren. Ziel ist es, den Schülerinnen und Schülern einerseits einen ersten Einblick in die Ereignisse der Übergangszeit von der Spätantike zum Frühmittelalter zu geben und sie andererseits zu weiterführenden Fragestellungen zu animieren.
UE Sek I
Wolfgang Bickel
Völker wandern / Didaktische Überlegungen
Auf den ersten Blick scheint die Völkerwanderungszeit eine abgeschlossene Epoche zwischen Antike und Mittelalter zu sein. Bei genauerer Betrachtung ist sie aber nur eine Migrationsepoche neben anderen, und so schafft sie eine Basis für ein Verständnis von Migrationsprozessen bis in die heutige Zeit. Dass es sich bei den wandernden „Völkern“ nicht um geschlossene Ethnien, sondern um polyethnische Gruppen handelte, die sich um einen Traditionskern mit dem Glauben an eine gemeinsame Herkunft zusammenfanden, ist dabei nur eine wichtige Erkenntnis.
Ernst Künzl
Das Grab des Königs
Gräber germanischer Fürsten als Geschichtsquellen
Königsgräber waren im Altertum eines der wichtigsten Machtzeichen. Sie verkörperten den politischen und kulturellen Anspruch ihrer Generation. Am Beispiel des Königsgrabes von Mušov kann gezeigt werden, inwieweit sich dieser Anspruch auf germanische Traditionen und römische Vorbilder gründete. Die Grabanlage dokumentiert, in welchem Maße die römische Kultur auf die germanischen Völker anziehend wirkte. Neben diesem Gesichtspunkt verdeutlicht der Unterrichtsvorschlag den Beitrag der Archäologie zur Erforschung des Selbstverständnisses der Germanen.
Barbara Steuer
Theoderich – „der Große“?
Herrschaft im Ostgotenreich
Es erschließt sich nicht auf den ersten Blick, weshalb der Ostgote Theoderich den Beinamen „der Große“ erhielt, der Frankenkönig Chlodwig dagegen nicht. Dieses Attribut erhielt Theoderich erst in der frühen Neuzeit. Der Humanismus idealisierte die Germanen und damit auch die Goten als jene, die „den Römern wieder die Freiheit gaben“. Auch abseits jeder Idealisierung können Schülerinnen und Schüler der Klasse 11 in dem vorliegenden Klausurvorschlag der Frage nach der Singularität von Theoderichs Herrschaft nachgehen, indem sie sich mit seiner Beurteilung in den Quellen und Grundzügen seines politischen Wirkens auseinander setzen.
Heinrich-Otto Hannemann
Raiders – Traders – Invaders
Die Wanderung der Angelsachsen und Wikinger – bilingual
Nach dem Abzug der Römer im 5. Jahrhundert waren Britannien und seine keltische Stammbevölkerung mehreren Eroberungs- und Einwanderungsschüben ausgesetzt. Nach den Angeln, Sachsen und Jüten folgten die Wikinger (Dänen) und schließlich die Normannen. Angelsachsen und Wikinger hinterließen deutliche Spuren in Sprache und Kultur, prägten Gesellschafts- und Herrschaftsform. Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten in dem vorliegenden bilingualen Unterrichtsvorschlag dieses in Schulbüchern und Lehrplänen wenig beachtete Thema.
Ronald Knöchlein
Hier Franken – dort Alemannen
Spurensuche nach Siedlungsräumen der Völkerwanderungszeit
Die Siedlungsbewegungen der Franken und Alemannen in der Völkerwanderungszeit haben in Südwestdeutschland sichtbare Spuren hinterlassen: Die auffälligsten von ihnen sind die Ortsnamen mit den Suffixen „-heim“ (Franken) und „-ingen“ (Alemannen). Die hier vorgestellte Kartenarbeit ist geeignet, um die Verhältnisse des 5. und 6. Jahrhunderts zu erschließen. Da viele Fragen zu den Vorgängen noch offen sind, eignet sich das Thema für den entdeckend-forschenden Unterricht
Jürgen Udolph
Namen als Spuren
Die germanische Wanderung nach England im Lichte der Sprach- und Namensforschung
„Es gibt ein lebendigeres Zeugnis über die Völker als Knochen, Waffen und Gräber, und das sind ihre Sprachen. (...) Ohne die Eigennamen würde in ganzen frühen Jahrhunderten jede Quelle der deutschen Sprache versiegt sein, ja die ältesten Zeugnisse, die wir überhaupt für diese aufzuweisen haben, beruhen gerade in ihnen (...), eben deshalb verbreitet ihre Ergründung Licht über die Sprache, Sitte und Geschichte unserer Vorfahren“ (Jacob Grimm). In diesem Sinne verweisen Sprachentwicklung und Namen auf die Wanderungszüge der Völker im 4. bis 6. Jahrhundert.
Waldemar Grosch
„Ik gihorta dat seggen“ / Der Niederschlag von Erinnerungen aus der Völkerwanderungszeit im Hildebrandslied
Die Geschichte von Hildebrand und seinem Sohn Hadubrand ermöglicht Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe I einen Einblick in die Ehrvorstellungen und Gesellschaftsstrukturen der Völkerwanderungszeit. Auf der Grundlage von Textauszügen aus dem althochdeutschen Original und einer Übersetzung ermitteln sie in einem forschend-entdeckenden Lernen Wesensmerkmale der Sagen- und Gedankenwelt des frühen Mittelalters.
Materialien Sek I
Onur Bülbül
Der weite Weg nach Deutschland
Türkische Migration und Turkwanderungen
Wie kommt der Döner nach Deutschland? – Ausgehend von dieser Frage erörtert der vorliegende Beitrag die Immigration von Türken nach Deutschland. Angeworben als „Gastarbeiter“ in den 1950er Jahren, haben viele Türken in Deutschland ihren Lebensmittelpunkt gefunden und sind in das gesellschaftliche Leben integriert. Dieser jüngsten Migration von Türken ging eine sehr lange währende Wanderung der Turkvölker seit 1 000 v. Chr. voran, die – vom Altai-Gebirge in Zentralasien ausgehend – immer weiter westwärts führte. Stationen dieser Wanderung waren türkische Reiche in Mittelasien, Seldschuken-Reiche in Vorderasien und schließlich das Osmanische Reich.
Christoph Hamann
Das kanonische Foto
Mushroom cloud
George Caron, Hiroshima 1945
Als kollektives Erinnerungsbild kann eine Fotografie ein traditionsbildendes Element von politischen, sozialen und kulturellen „Erinnerungsgemeinschaften“ (Peter Burke) sein. Welche Tradition eine Aufnahme begründen, welchen „Sinn“ sie haben soll, hängt von der Verwendung ab. Die Aussage eines Fotos, so Susan Sontag, „bleibt dem Augenblick verhaftet“, und sie kann historischen Wandlungen unterliegen. Ein gutes Beispiel für diese These ist das Foto vom Atompilz über Hiroshima.
Günter Boss
Aus der Bildungswelt
Zwischenland / Methodisch-Didaktisches aus der Waldorfschule
Die Entwicklungspsychologie charakterisiert die Jugendzeit als „Zwischenlandsituation“. Mit siebzehn Jahren durchläuft man sie gewöhnlich noch. Jugendliche sind keine Kinder mehr, aber auch noch nicht ganz erwachsen. Das ist einerseits eine recht „zweifelhafte“ Situation, denn es gibt viele Möglichkeiten, die Welt zu sehen. Das ermöglicht aber andererseits den Blick für Vielseitigkeit und Perspektivität der Dinge. Polaritäten werden intensiver von innen heraus erfasst. Während der Völkerwanderung durchlief Europa ebenfalls eine „Zwischenlandsituation“. Wenn Siebzehnjährige in der 11. Klasse über diese Zwischenzeit historisch arbeiten, begegnen sie übertragbaren Aspekten aus ihrer eigenen Entwicklungssituation.
Christoph Müller
Auf Spurensuche
Der Rufmord an den Vandalen
Noch heute haben die Vandalen einen schlechten Ruf. Der Name dieses germanischen Volksstamms ist in der abgeleiteten Form, als „Vandalismus“, ein Synonym für Zerstörungswut – vornehmlich für solche, die sich gegen Kulturgut richtet und ziel- wie sinnlos erscheint. Wie kam es zu diesem Vorwurf und besteht dieser Makel überhaupt zu Recht?