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INHALT

Ausgabe Februar
Heft 02/2005
Leider vergriffen!
Kriegsende 1945
Das Jahr 1945 erinnert an das Ende des Zweiten Weltkriegs und vor allem an die Befreiung vom Nationalsozialismus. In globaler Perspektive markiert das Epochenjahr eine zentrale Zäsur: das Ende der alten europäischen Ordnung, den Beginn des Kalten Krieges und den Einsatz der Atombombe. Zum sechzigsten Jahrestag des Kriegsendes eröffnen die Beiträge ... mehr
Hartmann Wunderer
"Ich küsste alle. Wir tanzten und weinten vor Freude..." / Displaced Persons in Wiesbaden 1945 bis 1947
2. Praxis Beiträge
Aber die Freude sollte nicht lange andauern. Als die US-amerikanischen Truppen Ende März 1945 den Rhein überquerten, begann für die ausländischen Zwangsarbeiter im Deutschen Reich ein neuer Lebensabschnitt. Doch nur ein kleiner Teil dieser Menschen konnte sofort in die Heimat zurückkehren. Viele lebten zunächst als Displaced Persons (DPs) in Sammellagern, kehrten erst Jahre später in ihr Land zurück oder blieben, argwöhnisch von der Bevölkerung beäugt, in Deutschland.
Wilfried Loth
Epochenjahr 1945 - Zäsuren und Optionen
Vor zwanzig Jahren haben die Deutschen darüber gestritten, ob der 8. Mai 1945 als ein Tag der Niederlage oder als ein Tag der Befreiung anzusehen ist. Heute steht die Vergegenwärtigung widersprüchlicher Erinnerungen im Raum: Holocaust und militärischer "Endkampf", Bombenkrieg und Vertreibung, Einmarsch der Roten Armee und Ankunft der westlichen Besatzungsmächte. Niemand spricht mehr von der "Stunde Null", aber es ist offenkundig, dass wir mit einem grundlegenden Einschnitt in der deutschen, europäischen und internationalen Geschichte konfrontiert sind.
Dieter Gaedke
"Das neue China ist unser!"
Von der Halbkolonie zur Weltmacht
China war zwar nie Kolonie, sank aber durch die ihm in der Mitte des 19. Jahrhunderts von den Großmächten aufgezwungenen "ungleichen Verträge" auf die Stufe einer Halbkolonie herab. In der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde der brutale Unterwerfungs- und Vernichtungskrieg Japans, der erst mit der japanischen Kapitulation im September 1945 endete, zu einem "Geburtshelfer der chinesischen Revolution". Somit markiert auch für China das Epochenjahr 1945 eine wichtige Etappe auf dem Weg zu einer national geeinten Großmacht. Unmittelbar nach der Gründung der Volksrepublik im Oktober 1949 leitete die Kommunistische Partei eine der gewaltigsten politisch-gesellschaftlichen Transformationen der Geschichte ein.
Hartmann Wunderer
"Der freundliche Feind"
Deutsche und Amerikaner nach 1945
Zu Beginn der alliierten Besatzungszeit bestimmte Angst, dann "Angstlust" die Haltung der Deutschen gegenüber den Amerikanern. Doch sehr bald fand - trotz des "Fraternisierungsverbotes" für die US-Soldaten - eine Annäherung statt. Während die ältere Bevölkerung noch Ressentiments gegenüber den "Amis" hegte, übte der amerikanische Lebensstil eine große Anziehungskraft auf die Jugendlichen aus. Es kam zu zahlreichen, von vielen Deutschen jedoch missbilligten, Partnerschaften zwischen deutschen Frauen und GI's. Der Rock' n' Roll wurde zu einem Ventil des Jugendprotestes gegen die scheinbar heile Welt der Wiederaufbaugesellschaft.
Helmut Däuble
Hiroshima - 6. August 1945
Wirkungen und Ursachen des ersten Atombombeneinsatzes
In einer längerfristigen historischen Perspektive wird das Jahr 1945 sehr wahrscheinlich weniger wegen der Beendigung des Zweiten Weltkriegs in die Geschichte eingehen, sondern weil dieses Jahr einen - vielleicht sogar den radikalsten - epochalen Einschnitt in der Menschheitsgeschichte darstellt: Die Menschheit besitzt seither ein technisches Instrument, das erstmalig sie selbst samt ihrer Geschichte auszulöschen vermag. Grund genug, sich im historisch-politischen Unterricht den Auswirkungen des ersten Atombombeneinsatzes und den Ursachen für die Anwendung dieser Waffe zuzuwenden.
Bernhard Gelderblom
Hameln zum Beispiel
Zusammenbruch und Neubeginn in einer deutschen Kleinstadt
Richard von Weizsäcker konnte anlässlich des 40. Jahrestages des Kriegsendes im Jahre 1985 formulieren: "Wir haben allen Grund, den 8. Mai 1945 als das Ende eines Irrweges deutscher Geschichte zu erkennen, das den Keim der Hoffnung auf eine bessere Zukunft barg." Den meisten Menschen war dieser "Keim der Hoffnung" 1945 verborgen. Die ersten Besatzungsjahre waren eine Ausnahmesituation, eine Übergangszeit mit noch unklaren Entwicklungstendenzen. Man hat die damalige Gesellschaft mit Recht als "Trümmergesellschaft" bezeichnet. Der Unterrichtsentwurf verbindet zwei tiefe Ohnmachtserfahrungen, welche die Menschen 1945 machen mussten: den von Terror und Gewalt begleiteten Zusammenbruch der alten Ordnung und das Erleben der Kapitulation gegenüber einer fremden Macht.
Klaus Fieberg
"Der Krieg ist aus!"
Das Kriegsende im Spiegel deutscher und internationaler Zeitungen
Ein Blick in verschiedene Presseerzeugnisse vom Mai des Jahres 1945 ermöglicht dem Betrachter einen Eindruck von den unterschiedlichen öffentlichen Reaktionen auf die deutsche Kapitulation. Die Materialien können im Geschichtsunterricht der Sekundarstufe I und II, speziell im bilingualen Unterricht eingesetzt werden.
Elmar Wagener
Von der Koalition zur Konfrontation / Risse in der Kriegsallianz
"Es wäre eine der großen Tragödien der Weltgeschichte, wenn sich nach all den ungeheuren Opfern" im Moment des Sieges "ein solcher Mangel an Vertrauen und ein derartiger Argwohn einstellen und unser gewaltiges Unterfangen gefährden würden."1 Wahrscheinlich stand Präsident Roosevelt mit dieser Meinung allein, als er am 5. April 1945 - eine Woche vor seinem plötzlichen Tod - in einer Erklärung an Stalin noch einmal die Allianz der "Großen Drei" beschwor. Die Schülerinnen und Schüler sollen erkennen, dass spätestens mit dem Churchill-Telegramm vom 12. Mai 1945 Risse in der "Anti-Hitler-Koalition" deutlich werden.
Christoph Hamann
Das kanonische Bild
Fluchtpunkt Birkenau
Das Foto vom Torhaus Auschwitz-Birkenau 1945
In dem Foto vom Torhaus des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau findet der "Verwaltungsmassenmord" an den europäischen Juden in den "Todesfabriken" ein hoch verdichtetes Symbol. Die Aufnahme kam den kollektiven Rezeptionsbedürfnissen in Deutschland in einer Zeit entgegen, in welcher der Holocaust zwar Gegenstand des öffentlichen Diskurses wurde, dieser aber mit der Perspektive auf abstrakte und anonyme Strukturen abgehandelt wurde. Das Foto zeigt und versteckt zugleich: Es lässt weder die Täter noch die Tat oder die Opfer in den Blick kommen.
Jörg Heimann, Nicola Pütz, Silke Schneider
Praxis Info
Keine "Siegergeschichte"
Geschichtsunterricht als Plattform einer integrierten deutsch-deutschen Nachkriegsgeschichte
Vom 26. September bis 3. Oktober 2004 fand in Rostock eine Tagung zur "Doppelten deutschen Nachkriegsgeschichte des wiedervereinigten Deutschland" statt. Die Veranstaltung mit Exkursion zielte vor allem darauf ab, wie im Geschichtsunterricht mit der deutsch-deutschen Geschichte der Nachkriegsepoche und Teilung umgegangen werden sollte. Ein Fokus auf die Alltagsgeschichte und ein Vergleich der Geschichtsbilder in beiden deutschen Staaten könnte, so ein Ergebnis der Tagung, eine westdeutsche "Siegergeschichtsschreibung" vermeiden helfen.
Peter Steinbach
Das hat Geschichte gemacht
"Ein Tag der Erinnerung"
Die Weizsäcker-Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes 1985
Anlässlich des 40. Jahrestages des Kriegsendes hielt der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker am 8. Mai 1985 eine viel beachtete Rede im Deutschen Bundestag. Er kennzeichnete den 8. Mai als "Tag der Erinnerung an das, was Menschen erleiden mussten" und als einen "Tag des Nachdenkens über unsere Geschichte". Die Bedeutung der Ansprache lag darin, dass Weizsäcker die Vielfalt der Erinnerungen und der Deutungen der Vergangenheit in den Mittelpunkt stellte und damit versöhnte, ohne zu spalten.