Sie befinden sich hier: /Aktuell/Inhalt Heft 05-04
INHALT

Ausgabe Mai
Heft 05/2004
Leider vergriffen!
Hi(t)story - Populäre Musik im Geschichtsunterricht
Populäre Musik der letzten Jahrzehnte hat bisher kaum Eingang in den Geschichtsunterricht gefunden. Eine „verpasste Chance“? Sicherlich. Dieses Themenheft stellt populäre Lieder (Schlager) des 20. Jahrhunderts vor - in ihrem historisch relevanten und für Schülerinnen und Schüler leicht erschließbaren, konkreten Kontext. Die ausgewählten Beispiele v... mehr
Online-Archiv
Hilfe und Informationen zum Download
Online-Archiv
Anmelden
Artikel kaufen
Hilfe zum Download
Rainer Brieske
Politisch Lied - ein garstig Lied?!
Hi(t)story - Möglichkeiten populärer Musik im Geschichtsunterricht
Betrachtet man die einschlägige didaktische Literatur zum Thema „Musik im Geschichtsunterricht“, so scheint das 20. Jahrhundert eher klanglos verlaufen zu sein. In der Zeit zuvor sprudelten die musikalischen Quellen offenbar reicher. Es entsteht der Eindruck, als hätten Lehrende und Lernende gleichermaßen wenig musikalische (Hör-)Erfahrungen. Vor allem wird „populäre Musik“ als Marginalie behandelt. Ein Umstand, den man eine „verpasste Chance" nennen muss.
Peter Wicke
„Heroes and Villains“?
Popgeschichte - Geschichte als Pop?
„Helden und Halunken“ - auf dieses simple Muster des gleichnamigen Songs der Beach Boys aus dem Jahre 1967 lassen sich noch immer die meisten Geschichtsdarstellungen bringen, die sich der Popmusik und ihrer Entwicklung annehmen. - Die Analyse der Populären Musikkultur im Geschichtsunterricht kann zu einer Ausbildung des historischen Bewusstseins zwischen Geschichtsbildern und virtueller Realität führen.
Rainer Brieske
„Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehn“
Unterhaltung/Propaganda im Nationalsozialismus - Die Rekonstruktion eines Verwendungskontextes
Das im Mittelpunkt stehende Lied „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehn" von Zarah Leander gehört ohne Zweifel zu den Liedern, die man als „populär“ bezeichnen kann. Es gilt als die „zwiespältigste Poplyrik des Dritten Reiches (und) Teil eines hochpolitischen Kapitels deutscher Unterhaltungsindustrie" („Der Tagesspiegel", 06.10.2002). Dieses Lied, manchen Schülerinnen und Schülern durch Nina Hagen bekannt, war ein wichtiger Baustein in dem mit 25 Millionen Zuschauern äußerst erfolgreichen deutschen Spielfilm „Die große Liebe“ (1942). Trotz dieses scheinbar eindeutigen Kontextes ist seine unterrichtliche Behandlung mit Überraschungen verbunden.
Tanja Groenke, Etta Grotrian
Die „Ghetto-Swingers“: „Bei mir bist Du schön“
Täuschungen im Ghetto Theresienstadt
Am Beispiel der „Ghetto-Swingers“ und des Ghettos Theresienstadt können durch die Interpretation von Quellen aus der Perspektive unterschiedlicher Akteure die Strategien nationalsozialistischer Propaganda und der Widerspruch zur grausamen Realität aufgedeckt werden. Zum Einsatz kommen dabei verschiedene Quellentypen aus den Bereichen Kunst und Propaganda bis hin zur biografischen Erinnerung des Zeitzeugen Coco Schumann.
Dirk Urbach
„Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien“
Ein Karnevalsschlager als Spiegel der Mentalitäts- und Politikgeschichte 1948
Entgegen der gängigen These von der kollektiven Verdrängung im vermeintlich unpolitischen Schlager der Nachkriegsjahre soll dieser Beitrag mit Karl Berbuers Karnevalsschlager „Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien“ ein Beispiel vorstellen, welches sich diesem Klischee zumindest teilweise entzieht und gerade deswegen für den Geschichtsunterricht wertvolle Ergebnisse liefert. Das neu erwachte Selbstbewusstsein der (westdeutschen) Bevölkerung, die Kritik an der Besatzungspolitik der Alliierten sowie die „vorweggenommene“ Teilung Deutschlands sind die zentralen Erkenntnisziele, welche die Schülerinnen und Schüler mit Hilfe des produktionsorientierten Ansatzes der folgenden Unterrichtssequenz erarbeiten können.
Elmar Wagener
„Ja, wenn der Senator erzählt“ /
Eine „märchenhafte“ Biografie als Deutungsangebot deutscher Geschichte
„Ja, wenn der Senator erzählt...“, dann geht der Blick weit zurück, zurück aus den „langen Fünfzigern“ in die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, als der „Senator“ noch ein Bub war, der alltäglich zwischen Wackelrode und Hohentalholzheim hin und her pendelte - „zwölf Kilometer hin und zwölf Kilometer zurück“. Und mit dem Weg von Wackelrode nach Hohentalholzheim lässt uns Franz-Josef Degenhardt, der Interpret, Texter und Komponist dieses Liedes (1968), in des „Senators Biografie“ einsteigen, die uns vom Kaiserreich bis ins Gründungsjahrzehnt der Bundesrepublik Deutschland führt.
Klaus Fieberg
„Jetzt kommt das Wirtschaftswunder!“
Tipps für eine Internetrecherche
Das „Wirtschaftswunder"-Lied von den Kabarettisten Wolfgang Neuss und Wolfgang Müller aus dem deutschen Spielfilm „Wir Wunderkinder“ (1958) bildet in dieser für Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I konzipierten Unterrichtseinheit den Ausgangspunkt einer Internetrecherche über die Nachkriegszeit. Neben inhaltlichen Aspekten bietet die Erarbeitung des Themas die Möglichkeit zur Einführung oder Vertiefung der methodischen Arbeit mit dem Internet.
Ute Kätzel
„Unbeschreiblich weiblich“
Das Frauenbild im Liedtext der 1960er-1980er Jahre
Was ist weiblich? - In vielen Liedtexten sind subtile Botschaften darüber enthalten, wie eine Frau und wie ein Mann zu sein hat. Diese gesungenen Geschlechtsrollenkonzepte sind ein Spiegel der jeweiligen Zeitumstände. In ihnen lässt sich sowohl Zustimmung und als auch Ablehnung zu diesen Konzepten finden. Proteste finden sich weniger im Schlager, als in Produkten der jeweiligen künstlerischen Avantgarde. Rita Pavones Schlager „Wenn ich ein Junge wär'“ von 1963 kann zwar als subtile Form des Protests verstanden werden, doch an Männerdomänen wurde nicht ernsthaft gerüttelt. Wohl aber lehnte es Rockstar Nina Hagen fünfzehn Jahre später in ihrem Lied „unbeschreiblich weiblich“ ab, die Frau einzig und allein als Gebärerin zu betrachten.
Dirk Lange
„Ihr kriegt uns hier nicht raus!“
Der „Rauch-Haus-Song“ - eine sozialgeschichtliche Quelle der Hausbesetzterbewegung
Die Band „Ton Steine Scherben“ und ihr „Rauch-Haus-Song“ haben (nicht nur) in der Hausbesetzerbewegung einen Kultcharakter erworben, der bis heute anhält. In dieser Unterrichtseinheit sollen die historischen Gegebenheiten, von denen das Lied erzählt, rekonstruiert werden. Hierzu werden die gesellschaftlichen Hintergründe und die subjektiven Motive der Hausbesetzer mit der „Scherben“-Interpretation der Ereignisse konfrontiert. Dabei stellt sich auch die Frage nach der Bedeutung von Musik für die Protestkultur.
Jan-Peter Koch
Rock gegen „alte Männer“
Subversive Strategien im DDR-Rock: „City“ und „Pankow“
„Ich bin der Meinung, Genossen, mit der Monotonie des Yeah, Yeah, Yeah, und wie das alles heißt, sollte man doch Schluss machen. (...) Ist es denn wirklich so, dass wir jeden Dreck, der vom Westen kommt, kopieren müssen?“ (Walter Ulbricht 1965 auf dem 11. Plenum des ZK der SED). - Kopiert wurde dieser „Dreck“ nur vorübergehend, denn die DDR-Rockmusik entwickelte ein so großes Maß an Eigenständigkeit, dass sie zum Politikum wurde.
Hannes Loh
Generation Golfkrieg: die Kinder der „68er-Revolte“
Werturteile und Geschichtsbewusstsein in einem Rap-Song der Gruppe „Freundeskreis“
Um kaum eine Epoche aus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ranken sich so viele Mythen wie um die späten 1960er und frühen 1970er Jahre. Diese Zeit des Umbruchs, der Veränderung, der Radikalisierung, Polarisierung und Politisierung des öffentlichen Lebens umfasste alle gesellschaftlichen Schichten und führte zu starken emotionalen Bekenntnissen und großer moralischer Empörung. - „Leg Dein Ohr auf die Schiene der Geschichte“ von der Gruppe „Freundeskreis“ greift die dort schon angelegten Geschichtsbilder in exemplarischer Weise auf.
Klaus Fieberg
Geschichte im Internet
„Hi(t)story - Populäre Musik“
Link-Empfehlungen zum Themenheft Hi(t)story
Jörg Schulz
Auf Spurensuche
Musik(er) gegen das Regime
Kampf um einen besseren Staat - Resolution der DDR-Musiker 1989
Am 18. September 1989 wurde die DDR „von innen" erschüttert. Erstmals erhoben nicht nur oppositionelle Gruppen ihre Stimme, sondern auch Musiker, die in einem staatlichen Organ wirkten - dem Komitee für Unterhaltungskunst. Toni Krahl, Vorsitzender der Sektion Rock, hatte Mitte September ein Treffen mit Bärbel Bohley (Neues Forum) initiiert. Wenige Tage später lag eine Resolution der Musiker der DDR vor, in der u. a. der öffentliche Dialog über die aktuellen Probleme gefordert wurde. In der Folge der Grenzöffnung am 9. November 1989 zeigte es sich, dass die Veränderungsbestrebungen der Reformkräfte in der DDR zugunsten des Anschlusses an die Bundesrepublik Deutschland ad acta gelegt werden mussten.
Rudolf Schröder
Das hat Geschichte gemacht
„Fräulein Pardon“ und „Monsieur Dupont“
Meisel - Ein Musikverlag im Wandel der Zeit
1926 gründete der Berliner Will Meisel einen Musikverlag, der heute in der dritten Generation geführt wird und durch die Zeit Kultur- und Musikgeschichte geschrieben hat. Verlegte Meisel zu Beginn noch eigene Kompositionen wie „Fräulein Pardon“, umfasst das Verlagsrepertoire heute rund 50 000 Kompositionen und einige hundert Bühnenwerke, von Evergreens und Operetten bis zu Popsongs. Der Autor dieses Beitrags ist Zeitzeuge und war langjähriger Direktor des Verlages.
Musik CD mit 15 Hits:
# Track 1: Deutschlandlied, „Schöneberger Version" (1989) # Track 2: Zarah Leander, Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen (1942) # Track 3: Ghetto Swingers, Bei mir bist Du schön (19441/44) # Track 4: Karl Berbuer, Trizonesiensong (1948) # Track 5: Franz Josef Degenhardt, Wenn der Senator erzählt (1968) # Track 6: Wolfgang Neuss/Wolfgang Müller, Chanson vom Wirtschaftswunder (1958) # Track 7: Rita Pavone, Wenn ich ein Junge wär' (1963) # Track 8: Nina Hagen, Unbeschreiblich weiblich (1978) # Track 9: Lucilectric, Mädchen (1993) # Track 10: Freddy Quinn, Hundert Mann und ein Befehl (1966) # Track 11: Ton, Steine und Scherben, Rauch-Haus-Song (1972) # Track 12: Ton, Steine und Scherben, Keine Macht für Niemand (1972) # Track 13: City, Wand an Wand (1987) # Track 14: Pankow, Langeweile (1988) # Track 15: Freundeskreis, Leg Dein Ohr auf die Schiene der Geschichte (1997)