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Ausgabe Juni
Heft 06/2001
Leider vergriffen!
1968 – Protest, Revolte, Kulturrevolution
"1968" – Eine Jahreszahl steht für eine Bewegung, die nachhaltig die politische und gesellschaftliche Landschaft nicht nur in der Bundesrepublik Deutschland veränderte. Studentischer wie jugendlicher Protest richtete sich gegen geltende Regeln und Gesetze, gegen rigide Moralvorstellungen und fehlende NS-Vergangenheitsbewältigung, und äußerte sich d... mehr
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Ingrid Gilcher-Holtey
Protest, Revolte, Kulturrevolution?
Die 68er-Bewegung
Der Basisbeitrag ordnet das Phänomen 1968 in die internationale Bewegung dieser Zeit ein und stellt die Frage nach den Ausformungen und Dimensionen für Deutschland. Deutlich wird auch, dass das häufig gebrauchte Schlagwort der "Studentenbewegung" zu kurz greift, um den tatsächlichen Umfang der Bewegung zu erfassen.
Dieter Gaedke
"Schaffen wir zwei, drei, viele Vietnam"
Mobilisierung und Politisierung der Studenten (1968)
Moralische Empörung über die Rassentrennung und Rassendiskriminierung in den USA und den "schmutzigen Krieg in Vietnam" mobilisierten und politisierten amerikanische und deutsche Studenten in den 1960er Jahren. Die Protagonisten waren überzeugt, dass nicht immer gewartet werden müsse, bis alle Bedingungen für eine Revolution gegeben seien, sondern dass Geschichte schon vorher machbar sei.
Ute Kätzel
"Frauen suchen ihre Identität"
Die Revolte der Frauen in der 68er-Bewegung
An der 68er-Bewegung beteiligten sich sehr viele Frauen aktiv und mit eigenen Ideen. Die meisten von ihnen kämpften gemeinsam mit den Männern für eine Veränderung bestehender gesellschaftlicher Verhältnisse und für die Revolution. Im Mai 1968 gründete sich in Berlin der "Aktionsrat zur Befreiung der Frauen". Die Aktivitäten dieses Rates und die folgenden "Weiberräte" veränderten die Bewegung von 1968 und die Gesellschaft nachhaltig.
Marc-Dietrich Ohse
"Kalter Frühling"
1968 in der DDR
Der Prager Frühling weckte 1968 auch in der DDR Hoffnungen darauf, dass der Sozialismus reformfähig sei. An den Protesten gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings beteiligten sich vor allem Jugendliche. Im Protest vermischten sich verschiedene Elemente, die einen kultur-, sozial- und politikgeschichtlichen Zugang zur DDR-Gesellschaft am Ende der sechziger Jahre ermöglichen.
Dirk Lange
1968 in der Schule
Demokratisierung als Gegenstand des historisch-politischen Lernens
Die Forderung nach Demokratisierung aller gesellschaftlichen Bereiche war eine zentrale Losung der 68er-Bewegung. Die Schule selbst war einer dieser Bereiche, an dem sich die Partizipationsansprüche exemplarisch veranschaulichen lassen. Im heutigen Unterricht kann somit der eigene Lernort zum Gegenstand historisch-politischer Erkundungen gemacht werden. Durch forschende Lernzugänge werden Inhalte und Formen reflektiert, welche die
Aktionen für eine Demokratisierung (der Schule) prägten.
Klaus Fieberg
Das Attentat auf Rudi Dutschke am 11. April 1968
Analyse eines historischen Fallbeispiels unter Einbeziehung internetgestützter Erarbeitung
Diese Unterrichtseinheit thematisiert das Attentat auf den Studentenführer Rudi Dutschke am Gründonnerstag 1968. In einer aufgeheizten politischen Situation wird Dutschke Opfer des ersten politischen Attentats der Nachkriegszeit in Deutschland. – In einem problemorientierten Ansatz
setzen sich Schülerinnen und Schüler einer Jahrgangsstufe 10 auf der Grundlage des historischen Falles mit verschiedenen Aspekten des Themas auseinander. Zusätzlich eignet sich das Thema zur Einbeziehung des Internet in die unterrichtliche Arbeit.
Achim Zinkann
"Macht kaputt, was euch kaputtmacht"
1968 - Protestform in der Kunst und Musik
Neben den vielen lautstarken Demonstrationen, mit denen die 68er-Bewegung auf sich aufmerksam machte, gab es auch andere Töne. Die Kunst der 68er ist nicht Kunst als Konsum, nicht L'art pour l'art sondern eine ganz subtile und subversive Form des Protests und Provokation - in Noten und Farben.
Michael Lönz
Gewalt und Gegengewalt in der 68er-Bewegung
Zuweilen scheint es, dass diejenigen, die in der zweiten Hälfte der 60er Jahre in der Bundesrepublik Deutschland und in Westberlin auf die Straßen gegangen sind, um gegen die saturierte und vergangenheitsvergessene Nachkriegsgesellschaft, die politische Unterdrückung in der Dritten Welt, die Kriegsführung für die politischen Morde der RAF in den 70er Jahren mitverantwortlich gemacht werden können. Die historische Analyse bleibt bei dieser, oft von tagespolitischen Interessen geleiteten öffentlichen Denunziationen fast immer auf der Strecke, wie die Auseinandersetzung um die Verstrickung des nunmehrigen Bundesaußenministers Joschka Fischer in den Frankfurter Häuserkampf der 70er Jahre nur zu nachdrücklicht beweist.
Ute Kätzel
Didaktisches Vorwort
1968 – ein eigenständiges historisches Phänomen
Kein linearer Wirkungsmechanismus
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"1968" wurde gerade erst von der Geschichtsforschung entdeckt und findet sich noch kaum in den Schulgeschichtsbüchern thematisiert. Diese Praxis Geschichte-Ausgabe soll daher die Möglichkeit eröffnen, die Protestbewegung von 1968 im Unterricht systematisch zu behandeln. Sie eignet sich sehr gut, um über gesellschaftliche Krisen und Umbrüche zu arbeiten, aber auch, um zu zeigen, dass geschichtliche Entwicklungen nicht linear verlaufen, sondern stets eines historischen Kontextes bedürfen. In Anbetracht der Anti-Globalisierungsbewegung, die mit dem Wirtschaftsgipfel in Genua im August diesen Jahres einen vorläufigen Höhepunkt erreichte, eignet sich die Bewegung von 1968 auch dafür, um analytischen Fragen nachzugehen und Protestbewegungen miteinander zu vergleichen.
Sylvia Fein
"Wider das Establishment"
Die Generation 1968
Die "Außerparlamentarische Opposition" (APO) hat die bundesdeutsche Gesellschaft, ihre Wertvorstellungen, ihre Umgangsformen und ihr äußeres Erscheinungsbild nachhaltig verändert. Traditionelle Werte und Konventionen in Ehe, Familie, Kindererziehung, Sexualität und Kultur wurden aufgehoben und die eigene Emanzipation aus tradierten Lebens- und Herrschaftsverhältnissen erreicht.
Cristina Perincioli
Auf Spurensuche
Lesben und Schwule – eine kleine "perverse" Minderheit
Kritischer Rückblick einer Zeitzeugin auf die 68er-Bewegung
Die Bewegung von 1968 ist unter anderem deshalb
in die Geschichte eingegangen, weil sie als Chiffre steht für „die sexuelle Revolution“. Allerdings stellt sich die Frage, ob Lesben und Schwule in dieser Bewegung ihre sexuelle Orientierung offen leben konnten. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich die geforderte sexuelle Freiheit ausschließlich
als heterosexuell. Wenn aber seit Anfang August 2001 mittels „eingetragener Partnerschaft homosexueller Paare“ schon ein neuer Schritt in Richtung rechtlicher Gleichstellung in der Bundesrepublik getan wird, wenn sich immer mehr Partei und Regierungsmitglieder als „schwul“ outen, so ist dies auch eine Folge der sexuellen Befreiung, die mit 1968 beginnt.
Karlheinz Lipp
Das hat Geschichte gemacht
Eine Ohrfeige für den Bundeskanzler
Beate Klarsfelds Protest gegen Kurt-Georg Kiesinger 1968
Am Vormittag des 7. November 1968 ohrfeigte eine junge Frau während des CDU- Bundesparteitages in Berlin den damaligen CDU-Bundesvorsitzenden und Bundeskanzler Kurt-Georg Kiesinger! Diese Protestaktion einer Einzelkämpferin kann im Unterricht als Beispiel dafür eingesetzt werden, wie stark sich die 68er-Generation mit der tabuisierten NS- Vergangenheit der "Väter" auseinandersetzte.